Jorn Ebner (Lichtenberg-Workshop)

randexistieren
Aktion auf der Weitlingstraße, Berlin-Lichtenberg

Die Aktion begann unter der Prämisse, auf dem Fußgängerbereich der Weitlingstraße im Weg, beziehungsweise in der Ecke stehen zu wollen. An vier Stellen habe ich für jeweils eine halbe Stunde herumgestanden: an einer Bushaltestelle, vor Geschäften, an der Ecke anbei einem Supermarkt und an einer Häuserecke neben einem Fitnessstudio.

Dafür entwickelte ich vier knöpfbare Objekte aus Drachenstoff, die ich am Körper befestigen konnte – jeweils ein Objekt für eine Situation – sowie ein Steckobjekt, das als Tragetasche diente. In dem Trageobjekt waren weitere Steckobjekte enthalten, die einer architektonischen Unterstützung der jeweiligen Stehaktion dienen sollten, die aber dann doch nicht richtig zum Einsatz kamen.

Die Aktion wurde fotografisch festgehalten.

Während der Aktion waren die meisten Menschen gleichgültig. Sie wichen aus, damit ihre Kinderwagen mich nicht anstießen; ein junger Mann frage, ‚ob dies der neue Trend sei’, denn offenbar wurden das am Kopf getragene farbige Objekt als Modeaccessoir aufgefasst; überhaupt machten junge Leute amüsierte Gesichter. Ein Herr, der aus dem Bestatterladen, der neben meiner Im-Weg-Steh-Stelle lag, heraus kam, sprach mich an, aber nicht sehr darauf abzielend, was es denn mit dieser Handlung von mir auf sich habe. Er nahm diese Aktion offenbar als Teil des Alltags hin. Später, in der Ecke stehend, ging ein Mann laut fragend, ‚was das denn solle?’ um diese (meine) Ecke: „In den Arsch treten sollte man euch, besseres verdient ihr nicht!“ schimpfte er. Später, an der Hausecke, reagierte niemand mehr: Ich, das Menschkunstobjekt, lehnte nur, ohne weiter aufzufallen – es kamen auch nur wenige hier den Weg entlang.

An dem Nachmittag schien die Sonne.

Ich habe diese Aktion vorläufig „randexistieren“ genannt, weil ich den Eindruck hatte, eher am Rande dieses Stadtteillebens zu stehen.

  (Fotos: Maria Morata)

 

Januar, 2013

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