Frauke Frech

„Mein ganz privates Deutschland“

Aufgefallen, dass ich Deutschland, mein sogenanntes Heimatland, kaum kenne, ist mir, als ich vor über zehn Jahren als AuPair auf Island war. Das erste Mal in der Fremde, fielen mir plötzlich massenweise Bildbände über Deutschland in die Hände, die Orte, Landschaften und Menschen zeigten, mit denen ich bisher nie in Berührung gekommen war. Der Wunsch die Menschen, die in Deutschland leben, ihre Ansichten und Werte kennen und so besser verstehen zu lernen, kam in mir auf. Dieser Wunsch ist geblieben und gewachsen, bis ich 2013 beschloss, mich für jeweils drei Monate den BewohnerInnen eines anderen Ortes in Deutschland zu widmen. Orte, die mich wegen ihrer Geschichte und ihres Wandels, besonders in jüngerer Zeit, interessieren. Ich möchte von den Menschen erzählen, die diese Orte zu dem machen, was sie sind und frage mich: Was haben wir als Fremde, aber auch als NachbarInnen in dieser Gesellschaft zu teilen?

Begonnen hat alles 2013 in Berlin-Lichtenberg.

In den Köpfen vieler ist Lichtenberg geprägt von der Stasi, von Platten und Nazis. Dazwischen viel Grün, viele RentnerInnen, VietnamesInnen, HartzerInnen. Entschlossen mich auch meinen Vorurteilen zu stellen, machte ich mich auf den Weg um LichtenbergerInnen kennenzulernen und sie für das Projekt zu gewinnen. Im Laufe eines halben Jahres habe ich viele persönlich kennengelernt und durfte im Austausch mit ihnen, mindestens einen Schritt hinter die Fassade, in ihre Wirklichkeit setzen und sie in meine.

Ausgewählte Begegnungen wurden zu Performances verarbeitet, die das Publikum direkt, persönlich und unter vier Augen ansprechen. In einem Raum des Museums Lichtenberg, der mit geliehenem Mobiliar von meinen Lichtenberger Bekannten gestaltet wurde, konnte man sie erleben.

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Phở – ein Kochabend mit zehn Gästen

 

Februar, 2014

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