Eva-Maria Reiner

Im Januar 2017 war ich in den Lichtenberg Studios zu Gast. Meine Gänge durch die Stadt dokumentierte ich mit einer Digitalkamera. Die folgende Bildauswahl zeigt vorwiegend Gebäudefassaden. Teilweise sind diese mit Botschaften und Informationen versehen. Ein zusätzliches Motiv ist der Baum, gepflanzt im Stadtraum als Auflockerungselement und Wohlfühlfaktor. Er verschleiert, konterkariert das Raster der Fassaden. Vereinzelt entdeckte ich auch „Lichtenberger Themenbäume“ : Das sind aus Vierkantrohr geschweißte Gestelle, in deren Etagen Hinweistafeln eingehängt werden können. Als eine Art Stadtteilzeitung gedacht geben sie Einblick in die Aktivitäten des Bezirkes. Je nach Standort sind sie mal mehr, mal weniger bestückt.

3 Wochen Lichtenberg – ein Bericht

Während meines Aufenhaltes erkundigte ich ausgiebig den Bezirk:Die Vielfalt und die teilweise gigantischen Ausmaße der Wohnsiedlungen Lichtenbergs faszinierten mich. Zudem stieß ich innerhalb Stadtgebiet auf riesige Nutzbauten der technischen Infrastruktur (das Kraftwerk Klingenberg, das Zwischenpumpwerk, das Klärwerk Falkenberg), auf Gewerbegebiete, Brach- und Parklandschaften. Ich erkannte Zyklen der Urbanisierung, die Ortsteilgrenzen immer mehr ausweitet oder verschwinden lässt, Veraltetes vernachlässigt oder still legt. Registrierte aber auch, wie die Stadtentwicklung in die alten Kerne zurückkehrt und Leerstehendes umnutzt oder um Wohnraum saniert – was u.a. im Weitlingkiez zu erkennen war an den auffallend vielen eingerüsteten bzw. frisch renovierten Häusern.

Das Stadtmuseum Lichtenberg versorgt mit Fakten bezüglich der Historie des Bezirkes. Die politische Vergangenheit und Zeugnisse der Diktatur des DDR-Regimes sind im Stasimuseum sowie in der Gedenkstätte Hohenschönhausen dokumentiert. Der angebotene Rundgang und Bericht unseres Führers, eines dort ehemals Inhaftierten, hat mich sehr erschüttert.

Die Erkundigung Lichtenbergs unternahm ich zu Fuß oder fuhr Straßenzüge mit Bus und Tram ab.

Eine meiner Lieblingsstrecken (Start ist der Haltepunkt der Linie M 21 am Rand der Viktoriastadt) lässt nachvollziehen, wie sich der Bezirk im Lauf des 20. Jahrhunderts städtebaulich entwickelt hat. Man fährt an den Townhäusern der Rummelsburger Bucht entlang, biegt nach Karlshorst ein in eine idyllisch wirkende Siedlung mit Einfamilien- und Doppelhäusern, Vorgärten und Baumalleen. Bei der Trabrennbahn wechselt man in die Linie M 17 und durchquert in Richtung Nord die Ortsteile: Friedrichsfelde, Alt-Lichtenberg, Alt- und Neu-Hohenschönhausen. Die Endhaltestelle liegt dann in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Landschaftsschutzgebieten von Wartenberg und Falkenberg. Immer wieder passiert die Tram Wohntürme, Großwohnsiedlungen und Einkaufscenter. Sie wechseln sich ab mit Häuserblocks in niedriger Bebauung, verschieden großen Schrebergartenanlagen und Gewerbegebieten.

Abschließend der Hinweis auf eine markante Stelle in Alt-Hohenschönhausen, auf Höhe der Kreuzung Rhinstraße/Hauptstraße. Hier steht zur Linken die kleine, aus dem 13. Jahrhundert stammende Taborkirche vor Hochhaushintergrund. Zur Rechten rollt die Tram an einem leerstehenden, vielleicht nie fertiggestellten Plattenbau vorüber – gespenstisch und verwahrlost liegt er da. Gleich gegenüber erscheint wiederum ein altes, aber gut restauriertes Fachwerkhaus. Laut Stadtführer war es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts eines der damals noch im dörflichen Umland gelegenen Gartenlokale, die von der Berliner Stadtbevölkerung als Ausflugsziel gerne angesteuert wurden.

Februar, 2018

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