Ausstellung Lichtenberg Studios

Schaufenster im Erdgeschoss,Türrschmidtstr. 24

DIEresidenz 2018

Yann le Crouhennec – Berliner Werke
Anne Staszkiewicz – Das Delir eines Expressionisten

Eröffnung: Sonntag 9. Februar, 16 Uhr

Ausstellungsdauer bis 19. April 2020

Seit 2018 besteht eine Kooperation zwischen den Lichtenberg Studios und der DIEresidenz, einem in der Nähe von Die, Frankreich gelegenem Haus in dem die Kuratorin Conny Becker mit ihrer Familie lebt. Das Haus liegt zwar nur 10 Minuten mit dem Fahrrad von Die entfernt dennoch trotzdem völlig abgeschieden im “dunklen” Wald, für die jeweiligen Resident*innen steht eine Einliegerwohnung und ein Atelier zur Verfügung. Der Austausch findet im August/September statt, ein(e) Resident*in aus Frankreich kommt im August in die Lichtenberg Studios und ein(e) Berliner Künstler*in fährt im September nach Die. Anfang Oktober findet am Ort der DIEresidenz im Atelier eine Ausstellung der beiden Künstler*innen statt. Den Anfang machten 2018 Yann Le Crouhennec aus Die und Anne Staszkiewicz aus Berlin. Die “Ergebnisse” des Austausches von 2018 zeigen wir nun in einem kleinen Ausschnitt im Schaufenster.

Yann le Crouhennec kommt vom Zeichnen und Malen. Er arbeitet mit Fotografie, Video, Text und Sound, realisiert Installationen und Performances mit einer Vorliebe für Improvisation. Die Arbeit mit der Zeit ist eine der Konstanten seines Werkes, die Existenz ist das Zentrum seiner Arbeit. In den letzten zwanzig Jahren hat er ein vielgestaltiges und beunruhigendes Werk entwickelt, das er in etwa zehn Ländern (Frankreich, Niederlande, Belgien, Deutschland, Dänemark, Schweiz, Spanien, Portugal, Österreich, Litauen, Armenien, Türkei, Kanada) ausgestellt hat. Seine Arbeit untersucht die Verbindungen des Lebendigen mit der Zeit, den Wandel und die Spuren, die das Zeichen dafür sind. Sie unterstreicht ihre zerbrechliche, fast unmerkliche Natur. “Jede Spur verblasst auf seinem Weg, nichts widersteht ihm. Die Gegenwart ist die einzige Realität, die uns zum Leben gegeben wird. Der Rest ist nur Angst oder Mythos.“ (Yann le Crouhennec)

Anne Staszkiewicz ist Malerin. Für ihre Residenz in Die/Frankreich hatte sie das Projekt in der Natur zu malen, ganz wie die Maler der Schule von Barbizon im 19. Jahrhundert. Ein diametraler Gegensatz zu ihrem sehr urbanen Atelier in Berlin Wedding. Der schönen Natur des Diois ausgesetzt, ist Anne gleich gefangen von der Kraft der Berge mit ihrer Felsen, dem Spiel ihrer Farben und Schatten, welche sich bei jedem Blick ändern. Doch die Natur imponiert vielleicht zu viel, verlangt zu viel. Möchte ihr hübsches Bild als Postkarte. Hinzu kommt, dass man, um in der Natur zu malen, immer so viele Dinge mit sich rumschleppen muss… Und so findet sich Anne mehr oder weniger in gewohnter Arbeitsweise wieder – mit all ihren präparatorischen Skizzen und handlichen Ölbildern und vielen Fotos als Stütze und Erinnerung. Jetzt ist es weniger die Natur an sich, mit der sie ringt (auf dem Foto bewegt sich nichts mehr), als vielmehr mit ihren eigenen Vorschlägen auf Papier und Leinen. Denn die Malerei ist stets eine Herausforderung, ein Balanceakt von Farben, Energien, Launen und Humor. Die Berge, die Bäume, die Äste und ihre Schatten wandeln sich nun vom Motiv zu einem bloßen Vorwand, um zu malen, um Kunst zu machen. Ohne die Einschüchterung durch die Natur findet die Malerei von Anne Staszkiewicz ihre Freiheit wieder und ganz neue Dinge ereignen sich. Nach ihren Studien von Bergen und Felsreliefs beginnt die Künstlerin erstmals abstrakt zu malen, und in der Serie „Landkarten eines Expressionisten“ ergießt sich ein Strom von Ornamenten. Zum ersten Mal drängt sich das Ornamentale nach vorne, das bisher von Annes Malerei ausgeschlossen war, vor allem, „da es zu feminin ist“. Um in der Kunstwelt zu reüssieren, sollte man schließlich besser ein Mann sein… Daher schickt Anne auch einen Expressionisten, ein männliches Alter Ego, um im Diois für sie zu malen.

Sie sagt: „Bei mir kann jedes Bild selbst entscheiden, wie es gemalt werden will. Die Bilder sind gleichberechtigt.“ Anne Staszkiewicz ist eine demokratische Malerin. (Texte: Conny Becker, 2018)

Februar, 2020