Birgit Hölmer (Berlin)

Im September 2017 war ich im Rahmen des Gibraltar-Berlin-Artist-Exchange Programms in Gibraltar.
In diesem speziellen britischen Ort, dominiert von dem großen Rock, der mit seinen vielen
Höhlen als löchriger Käse bezeichnet wird, habe ich 3 1/2 Wochen verbracht. Mächtig tritt er in
Erscheinung – als Wasserspeicher und oft mit einer riesigen Wolke (Levantes) bedeckt, aber bei
freier Sicht mit Blick auf Afrika.
Unten im Zentrum hatte ich ein Studio in der Macintosh Hall mit Bücherei, Café, Sitz der Cultural
Services, also mitten drin gut umsorgt. Mit dem Stimmengemurmel im Hintergrund ließ es sich
gut arbeiten, entstand eine Installation aus Wandtapes, Papierobjekten, beklebten Fundstücken, die
ich beim morgendlichen Gang zum Studio durch die Geschäftsstraßen gesammelt habe. Zusätzlich
sind noch ein Wandtapebild im Eingangsbereich und CUTS an den Außenfenstern eines der
Ausstellungsräume erhalten. Gegen Ende gab es eine gemeinsame Ausstellung. Ansonsten fand
man mich in den Straßen von Gibraltar um CUT-Interventionen vorzunehmen. Das heißt mit
Klebestreifenresten unangemeldet auf leerstehenden Schaufenstern abstrakte Formen entstehen zu
lassen.
Shane Dalmedo hat mich freundschaftlich begleitet und mit Künstlern, Journalisten, dem Fernsehsender
GBC, …bekannt gemacht. In Gibraltar gibt es eine größere Verbindlichkeit, die abends mit
viel Pulpo, Tapas, Wein und Spaß besiegelt wurde. Es war alles in allem eine tolle Zeit.

März, 2018

Shane Dalmedo (Gibraltar)

Ich nahm die Tram und einen Bus, um zum Stasi-Gefängnis zu gelangen, welches unerwarteterweise in
einem Wohnviertel liegt. Stacheldraht schnürte sich in die Mauern, Geschütztürme umgaben das Gefängnisgebäude aus rotem Backstein… Während der Führung hörte ich Berichte über Folter und Unrecht, die
dort stattgefunden haben, und sah die unmenschlichen Bedingungen, unter denen die Gefangenen in
ihren Zellen gehalten wurden, als wir durch die Korridore gingen.
Das Linoleoum auf dem Boden der Flure: Nur eine Ahnung von dem, was ich fand, als wir die Verhörräume
betraten: Der unerwartete Anblick von gemusterten Tapeten und sogar Spitzenvorhängen war ein starker
Kontrast zu den Bedingungen in den Zellen, die wir im Vorfeld gesehen hatten. Das hat mich beeindruckt.
Ich möchte die Vortäuschung von „Normalität“ in den Verhörräumen portraitieren – und die Tarnung, die
die Stasi für ihre Infiltration benutzte, und damit Auswirkung auf so viele Leben hatte.

März, 2018