Andrii Dostliev

Andrii Dostliev, Lecture

Andrii Dostliev ist im August zu Gast in den Lichtenberg Studios und hält am Donnerstag, 19. August 2021 um 19 Uhr eine Lecture in englischer Sprache zu seiner künstlerischen Arbeit.

„Als Künstler und Forscher beschäftige ich mich viel mit dem kollektiven Gedächt-nis, mit Spuren von Massentraumata in der visuellen Kultur und mit Identitäts-konflikten – mit besonderem Schwerpunkt auf das 20. und 21. Jahrhundert im weit gefassten europäischen Raum. Was bleibt von einem historischen Trauma in den Verhaltensmustern der heutigen Generation? Welche Spuren der vergangenen Ereignisse lassen sich in der familiären Fotopraxis finden? Wie hat sich die Darstellung eines bestimmten Konflikts in der Kunst im Laufe der Jahre verändert? Wie werden traumatische Ereignisse der Vergangenheit von zeitgenössischen Ultranationalisten auf der ganzen Welt instrumentalisiert? Und wie haben sie das urbane Umfeld beeinflusst? Dies sind einige der Fragen, die ich in den letzten Jahren in meiner Kunstpraxis und meinen Forschungsprojekten zur visuellen Anthropologie aufgeworfen habe.“

Andrii Dostliev (geb. 1984) ist ein Künstler, Kurator und Fotografiewissenschaftler aus der Ukraine, der derzeit in Polen lebt. Seine Hauptinteressen sind Erinnerung, Trauma, persönliche und kollektive Identität sowie die Grenzen der Fotografie als Medium. In seiner künstlerischen Praxis arbeitet er mit Fotografie, Video, Zeichnung, Performance und Installation. Er hat mehrere Bücher mit seinen fotografischen Serien veröffentlicht.

August, 2021

Ausstellung: Matthias Beckmann

Matthias Beckmann, Lichtenberg 2020

Matthias Beckmann zeigt in der Museums-Lounge, ab 5. August 2021, seine im Mai 2020 in Lichtenberg entstandenen Zeichnungen, die er als Resident der Lichtenberg Studios anfertigte.

Die Ausstellung „Lichtenberg 2020“ eröffnet am 4. August 2021 um 19 Uhr und gibt, bis zum 19. September, einen zeichnerischen Einblick in die neue pandemische Wirklichkeit Anfang 2020 in Lichtenberg.

Matthias Beckmann zu seinen Eindrücken:

„In Kreuzberg waren die Straßen Mitte Mai wieder voll. Als ob nichts gewesen oder alles schon vorüber wäre. Die Entscheidung für Lichtenberg war goldrichtig. Ich wollte Berlin in Zeiten von Corona zeichnen und dabei den Abstand wahren. Wäre ich einen Monat früher gekommen, hätte ich beinah menschenleere Plätze vorgefunden. Auch jetzt war es noch entspannt hier. Die Menschen ließen mich in Ruhe und ich konnte ungestört arbeiten.

Im Grunde ist das Motiv einer Zeichnung unerheblich. Es ist der Anlass für Linien auf Papier. Doch für die Betrachter, für die ich auch zeichne, ist es schön, wenn sie ihren Blick auf ihnen vertraute Dinge mit der Sicht des Zeichners vergleichen können. Für mich ist ein Thema und ein neuer Ort ein Anreiz zum Zeichnen, vor allem wenn es eine Aufgabe oder einen Auftrag gibt. Nie käme ich auf die Idee, mich in gewohnter Umgebung zum Zeichnen einfach an eine Straßenecke zu setzen.

Eine Liste mit einigen Orten hatte ich gemacht. Das Ring Center an der S-Bahn-Station Frankfurter Alle, der Tierpark, das Stasi Museum, die Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde, das Mies van der Rohe Haus, das Studio im Hochhaus … Auf meinen Radtouren stieß ich auf weitere Orte.“

August, 2021