Heather Lyon war im März diesen Jahres zu Gast in den Lichtenberg Studios und hat sich, neben einigen Performance-Projekten, mit dem Berliner Blau beschäftigt.
Die Ausstellung „Berlin Blau“ öffnet ab 31. August 2023ab 19 Uhr und gibt bis zum 19. November einen Einblick in die Arbeit von Heather Lyon.
„Das Blau war das erste moderne Pigment, das zufällig von einem Maler in Berlin 1706, der auf der Suche nach Rot war, aber mit Blut verunreinigte Pottasche verwendete.
Die daraus resultierenden Kristalle waren von einem leuchtenden Dunkelblau. Diese Farbe spielt in meiner Arbeit seit über einem Jahrzehnt eine wichtige Rolle, und es lag nahe, sich mit diesem Blau an seinem Ursprungsort zu beschäftigen. Ich fand es auf der Straße und in den Altkleiderläden in Baumwolle und Wolle.
An den meisten Tagen machte ich mich mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf den Weg zum Meer, um am Wasser auf tiefblauen blauen Stoff zu sticken, den Gesang der Vögel aufzunehmen, die subtilen und doch stetigen Veränderungen des Frühlings zu beobachten. Ich sammelte gebrauchte Kleidung aus der Nachbarschaft, um sie für meine Stoffarbeiten zu verwenden, indem ich sie zu neuen Teilen und Formen zusammennähte, zu kleinen Quilts, zu einem Poncho für für eine Performance.“ (Heather Lyon, 2023)
Véra Léon und Ella Ziegler, die letztjährigen Teilnehmerinen des Austauschprogramms, zeigen in der Museums-Lounge ab dem 2. Februar 2023 ihre in Berlin und Die entstandenen Arbeiten.
Die Ausstellung gibt bis zum 16. April einen Einblick in das Austauschprogramm Berlin-DIEresidenz.
Seit 2018 besteht eine Kooperation zwischen den Lichtenberg Studios und der DIEresidenz, einem in der Nähe von Die, Frankreich gelegenem Haus, in dem die Kuratorin Conny Becker mit ihrer Familie lebt. Das Haus ist nur 10 Minuten mit dem Fahrrad von Die entfernt und liegt dennoch völlig abgeschieden im “dunklen” Wald. Für die jeweiligen Resident*innen steht eine Einliegerwohnung und ein Atelier zur Verfügung
Véra (&) Léon
Invisible Walls
Im Austausch mit DIEresidenz (Drôme, Frankreich) arbeitet das Duo Véra (&) Léon im Sommer 2022 für drei Wochen in den Lichtenberg Studios. Ihr ursprüngliches Projekt bestand darin, queere Menschen in Lichtenberg zu porträtieren. Ein schwierigeres Ziel als erwartet… ein Problem, das das Duo in ein poetisches Tagebuch über Queerness, den künstlerischen Prozess und gesellschaftliche Repräsentationen verwandelt.
Der Text JOURNAL OF AN IMPOSSIBLE INQUIRY entstand als Echo einer visuellen Erzählung, die die sich ständig verändernde Urbanität von Berlin hinterfragt. Die als Hintergrund verwendeten Fotografien aus dem Archiv des Lichtenberg-Museums bilden eine Parallelwelt zu den mentalen Bildern, die das poetische Tagebuch hervorruft. Dies bewirkt ein Oszillieren zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen sensiblen und politischen Erfahrungen der Stadt.
Die 16 fotografischen Porträts, die eng mit dem poetischen Tagebuchs verwoben sind, beschäftigen sich ebenfalls mit der intimen Beziehung zwischen dem queeren Körper und seiner Umgebung. Diese mit ihren Modellen koproduzierten Bilder hinterfragen die Widersprüche unserer Vorstellungswelt: Natur und Stadtleben, Neugier und Voyeurismus, Andersartigkeit und Identität. (Véra (&) Léon)
Ella Ziegler
Lucent Cracks
Ella Ziegler zeigt ihr Projekt Lucent Cracks, eine Installation poetischer Stoffbanner, die während ihres einmonatigen Aufenthalts bei DIEresidenz in der französischen Provinz entstanden sind. Mit einem konzeptuellen Ansatz arbeitend, antwortet sie auf die sie umgebende, von Bergen geprägte Landschaft mit einigen wenigen Worten, haikuesken Halbsätzen und Geometrien. Die Künstlerin verdichtet Gedanken zur omnipräsenten, geradezu überwältigenden Natur des Diois auf weißem Nessel, der wie die Felsen des Berges Glandasse als eine Projektionsfläche gesehen werden kann, auf der sich Emotionen und Geschichten spiegeln. Ziegler, die in ihrer Arbeit häufig die Beziehung zwischen Körper und Raum verhandelt, verändert die Wahrnehmung des Ausstellungsraums radikal mit ihren großformatigen Werken, die mit ihrer körperlichen Wirkung auf die BerachterInnen wiederum ein Echo zu den Felswänden bilden. (Conny Becker)
„Während meiner Residency lag mein Fokus auf der besonderen Landschaftsform – ein Karstmassiv im äußersten Westen der französischen Alpen – und ihren physikalischen Phänomenen und Bedingungen. Die massive hellgraue Kalkstein-Felswand oberhalb der Ortschaft DIE reflektiert, je nach Tageszeit, die Farben des Sonnenlichts und sie ist ein kahler Imaginationsraum für Bilder, die sich hinter dieser Felswand verbergen könnten. Diese Landschaft entstand durch die Bewegung des Wassers, durch tektonische Verwerfungen und geologische Faltungen. Umgeben von Bergen verlagern sich meine räumlichen Referenzpunkte in die Höhe, und die Horizontlinie folgt den Silhouetten der Berggipfel. Auf meiner geologischen Zeitreise wirken Baum- und Steinflechten wie Korallen, die Felswände wie Riffe, und die Versteinerungen wie erstarrte Meereswesen – als hätte sich hier ein Ozean in das Gestein eingeschrieben.
Die Wortkombination HORIZON LUCENT CRACKS beschreibt feine Risse in der Horizontlinie – Brüche, die Wahrnehmung und Wirklichkeit voneinander trennen. Die Schönheit der Landschaft ist durchzogen von leisen Störungen, die uns auf die Fragilität der ökologischen Systeme hinweisen.“ (Ella Ziegler)