DIEresidenz 2018

Schaufenster im Erdgeschoss,Türrschmidtstr. 24

Yann le Crouhennec – Berliner Werke
Anne Staszkiewicz – Das Delir eines Expressionisten

Eröffnung: Sonntag 9. Februar, 16 Uhr

Seit 2018 besteht eine Kooperation zwischen den Lichtenberg Studios und der DIEresidenz in einem bei Die, Frankreich, gelegenem Haus, in dem die Kuratorin Conny Becker mit ihrer Familie lebt. Das Haus liegt zwar nur 10 Minuten mit dem Fahrrad von Die entfernt, aber dennoch völlig abgeschieden, am Rande des “dunklen” Waldes. Für die jeweiligen Resident*innen stehen eine Einliegerwohnung und ein Atelier zur Verfügung. Der Austausch findet im September/Oktober statt, ein(e) Resident*in aus Frankreich kommt im September in die Lichtenberg Studios und ein(e) Berliner Künstler*in fährt Mitte September nach Die. Mitte Oktober findet im Atelier der DIEresidenz eine Ausstellung der beiden Künstler*innen statt. Den Anfang machten letztes Jahr Yann Le Crouhennec aus Die und Anne Staszkiewicz aus Berlin. Die “Ergebnisse” des Austausches von 2018 zeigen wir nun in einem kleinen Ausschnitt im Schaufenster.

Yann le Crouhennec kommt vom Zeichnen und Malen. Er arbeitet mit Fotografie, Video, Text und Sound, realisiert Installationen und Performances mit einer Vorliebe für Improvisation. Die Arbeit mit der Zeit ist eine der Konstanten seines Werkes, die Existenz ist das Zentrum seiner Arbeit. In den letzten zwanzig Jahren hat er ein vielgestaltiges und beunruhigendes Werk entwickelt, das er in etwa zehn Ländern (Frankreich, Niederlande, Belgien, Deutschland, Dänemark, Schweiz, Spanien, Portugal, Österreich, Litauen, Armenien, Türkei, Kanada) ausgestellt hat. Seine Arbeit untersucht die Verbindungen des Lebendigen mit der Zeit, den Wandel und die Spuren, die das Zeichen dafür sind. Sie unterstreicht ihre zerbrechliche, fast unmerkliche Natur. “Jede Spur verblasst auf seinem Weg, nichts widersteht ihm. Die Gegenwart ist die einzige Realität, die uns zum Leben gegeben wird. Der Rest ist nur Angst oder Mythos.“ (Yann le Crouhennec)

Anne Staszkiewicz ist Malerin. Für ihre Residenz in Die/Frankreich hatte sie das Projekt in der Natur zu malen, ganz wie die Maler der Schule von Barbizon im 19. Jahrhundert. Ein diametraler Gegensatz zu ihrem sehr urbanen Atelier in Berlin Wedding. Der schönen Natur des Diois ausgesetzt, ist Anne gleich gefangen von der Kraft der Berge mit ihrer Felsen, dem Spiel ihrer Farben und Schatten, welche sich bei jedem Blick ändern. Doch die Natur imponiert vielleicht zu viel, verlangt zu viel. Möchte ihr hübsches Bild als Postkarte. Hinzu kommt, dass man, um in der Natur zu malen, immer so viele Dinge mit sich rumschleppen muss… Und so findet sich Anne mehr oder weniger in gewohnter Arbeitsweise wieder – mit all ihren präparatorischen Skizzen und handlichen Ölbildern und vielen Fotos als Stütze und Erinnerung. Jetzt ist es weniger die Natur an sich, mit der sie ringt (auf dem Foto bewegt sich nichts mehr), als vielmehr mit ihren eigenen Vorschlägen auf Papier und Leinen. Denn die Malerei ist stets eine Herausforderung, ein Balanceakt von Farben, Energien, Launen und Humor. Die Berge, die Bäume, die Äste und ihre Schatten wandeln sich nun vom Motiv zu einem bloßen Vorwand, um zu malen, um Kunst zu machen. Ohne die Einschüchterung durch die Natur findet die Malerei von Anne Staszkiewicz ihre Freiheit wieder und ganz neue Dinge ereignen sich. Nach ihren Studien von Bergen und Felsreliefs beginnt die Künstlerin erstmals abstrakt zu malen, und in der Serie „Landkarten eines Expressionisten“ ergießt sich ein Strom von Ornamenten. Zum ersten Mal drängt sich das Ornamentale nach vorne, das bisher von Annes Malerei ausgeschlossen war, vor allem, „da es zu feminin ist“. Um in der Kunstwelt zu reüssieren, sollte man schließlich besser ein Mann sein… Daher schickt Anne auch einen Expressionisten, ein männliches Alter Ego, um im Diois für sie zu malen.

Sie sagt: „Bei mir kann jedes Bild selbst entscheiden, wie es gemalt werden will. Die Bilder sind gleichberechtigt.“ Anne Staszkiewicz ist eine demokratische Malerin. (Texte: Conny Becker, 2018)

Februar, 2020

Lectur

Lichtenberg Diary December 2019 & January 2020
Explorations and readings of social-ist amnesia



Thursday 30 January 2020 19.00hrs

Siraj Izhar (artist in residence)

I came to Lichtenberg to continue work on themes began at funkhaus, the monumental former GDR broadcasting building, a relic from the heroic socialist realism times now in private hands. In the so-called „peaceful revolution“ of the German unification or Die Wende, the transfer, whether it’s of Peoples Palaces or vast housing complexes or even political parties from one system to system, has selective processes of de- and re-memorialisation.

Against these transfers (of resources and heritage) within instituted memorialisation, the subject of my project is social-ist amnesia.
The word socialist is split because I am trying to say both social and socialist  at the same time. The gap, break is filled by the word Ideology. But that word brings negative connotations because of the scale of suffering it (Ideology) is accused of inflicting. That, for instance, the legacy of the last century left us all as „victims of ideology“. So as part of de- and re-memorialisation, Ideological symbols become emptied of Ideology, to be ceremonial, or diluted or neutralised; whilst some symbols are exorcised or become social taboos.
But to re-think Ideology as symbol, it is worth remembering that Marx also read Ideology through the negative – as the false consciousness that sustains the contradictions of our existing political order. Ideology by its inversion is the sedative that puts political consciousness to sleep. The word amnesia refers to the collective sedation. It runs parallel to what Walter Benjamin wrote in his Passagenwerk or the Arcades project that we in modernity exist in a dream state from which we have yet to awaken.

social-ist amnesia is an exploration of that terrain of amnesia or dream state below the surface of instituted memory and its processes. The exploration is not of the space of official memorials and ceremonies but something else scattered in the corners of the everyday, in the gaps between the visible and invisible. What we see but do not see. A political unconscious that connects social, historial and cultural memory in fluid ways outside any narrative of the Wende.
Using only the project’s tools, the exploration of social-ist amnesia has been broken up into multiple parts, or Acts (as each requires an interventionist act). Each Act brings into play its conflicts and partitions. The images obtained through the two Acts completed are not about any aesthetic merit or political value or revolutionary potential. They are in the ganzfeld of our shared lives. Only from there, as Benjamin suggested in the way he saw the world of images, will we awaken from the dream state to find that all images, the seen and the unseen, are equal and that without exception each has its salvation. In the political unconscious the dust doesn’t settle by the laws of gravity.

Project tools:

1. Vinyl Red Star 10mm radius. 
2. Digital Cameras Lumix GF2, Sony Experia 10 cellphone

Act 1 The Real
Sites: Berlin public transport S-bahn S75, S5, S7, Tram M17, M4, Bus 256, 197 covering Lichtenberg and adjoining areas of Weißensee, Marzahn and Hellersdorf.


Act 2 The Real and the Imaginary

Sites: housing complexes in Hohenschönhausen, Wartenberg, Falkenberg, Ahrensfelde and adjoining areas.

All works left on sites of exploration.
Documentation and Submissions: 2×24 Digital stills 4000x3000px  


Interregnum (Dornröschen)
Rosa & Karl Gedenkveranstaltung (Memorial service) January 12th 2020
at the Gedenkstätte der Sozialisten (Socialist memorial), Gudrunstraße Lichtenberg Berlin


Unsubmitted work:

Act 3 The Imaginary and the Symbolic
(work in progress)
Act 4 The Symbolic
(not undertaken)
Postscript

Januar, 2020