Aktuell

Veranstaltungen Lichtenberg Studios

Türrschmidtstr. 24

Eröffnung der Ausstellung
im Cafe des Stadthauses (EG)

Samstag, 17. November um 19 Uhr
bis 16. Dezember 2018

Uwe Jonas, Renée Ridgway

 Der Geist des Überwachens

Die Snowden-Enthüllungen (2013) haben offengelegt, dass nicht nur die NSA und andere Regierungsinstitutionen weltweit Daten über Bürger sammeln, sondern auch Unternehmen mitschuldig am Daten-Business sind. Indem Google seine massive Schatzkiste mit Benutzerdaten baut, diktiert es, wo Daten zusammengetragen werden und wie diese organisiert sind. Laut Shoshana Zuboff besteht der zeitgenössische „Überwachungskapitalismus“ aus dieser „Logik der Anhäufung“ von Userdaten, mit der eigene sozialen Beziehungen produziert werden, und mit ihnen Auffassungen und Gebrauch von Autorität und Macht. Jedoch ist das „Informationensammeln“ über Bürger (heutzutage User) nicht innovativ – in den letzten Jahrzehnten haben private und staatliche Akteure weltweit kontinuierlich Techniken des Suchens, Oberservierens und Archivierens vollzogen. Seit 2016 haben Uwe Jonas und Renée Ridgway in den Archiven und über die Methoden und Ausrüstung der Stasi recherchiert, deren ehemaliges Hauptquartier nicht weit von den Lichtenberg Studios entfernt liegt, für die Jonas als Künstler/Kurator arbeitet und Ridgway als Künstlerin in einer Residency zu Gast war. Der erste Durchlauf ihrer beider Forschungen bringt für die Ausstellung handgemalte Fotoprints, modifizierte, vergrößerte Bilder und ein Video, das einige der von der Stasi eingesetzten Versteckte-Kamera-Techniken benutzt, zusammen.

Die Arbeiten von Uwe Jonas sind aus den IM-Akten extrapoliert, die in die Kategorien Sicherheit, Spezial, Operativ, Konspirativ eingeteilt wurden – es gab sogar eine Unterabteilung für Informanten, die Informanten instruiert haben. Die zur Verfügung stehenden Akten decken, mit einem Fokus auf die 80er-Jahre, die Zeit von 1960 bis 1990 ab. Inhaltlich reflektieren sie Wirtschaftsverbrechen, Industriespionage, internationale Politik und soziale Bewegungen, die als konterrevolutionär oder als „abweichendes Verhalten“ verstanden wurden. Jonas zeigt spezifische Zeichnungen von Hausplänen, sowie Straßenkarten, zensierte Texte und persönliche Beschreibungen der Informellen Mitarbeiter als Teil ihrer Überwachungsmethoden.

Renée Ridgways Installation bezieht sich auf die historischen „Technologien“ der Überwachung (versteckte Kameras, Körpermikrophone, menschliche Observation) der Stasi. Handgemalte Bilder portraitieren die verschiedenen Grade von Trübungserscheinungen durch eine analoge Filtertechnik, während das Video ein „mise en abyme“ (ein Bild im Bild) von damals wie heute benutzter Do-It-Yourself-Technologie inszeniert. Mit der Anspielung auf „versteckte Infrastrukturen“ des Spionierens und Beobachtens von vergangenen Lebensräumen beschwört diese Installation gleichzeitig moderne Technologien der Selbst-Überwachung in einer Kontrollgesellschaft herauf.

November, 2018