LichtenbergInsel

April, 2015

Aymeric Hainaux

Im März dieses Jahres verbrachte ich einen Monat als Resident in den Lichtenberg Studios, einem wunderbaren Produktionsort in Berlin. Diese (Aus-)Zeit wollte ich der Zeichnung widmen, einer Praxis, der ich regelmäßig nachgehe, die jedoch sehr zeitaufwendig ist – eigentlich ideal für einen Monat „geschenkte Zeit“.

Doch vor Ort kam alles anders. Der Frühling kündigte sich an und die Energie trieb mich dazu, spontaner zu arbeiten, schneller zu produzieren, zu experimentieren.

Die für die Zeichnung vorgesehene Zeit verwandelte sich in ein Atelier, in dem ich vor allem malte und schnitt. Der Aufenthalt in Lichtenberg ermöglichte es mir, mich ganz zwei künstlerischen Praktiken hinzugeben, mit denen ich nur wenig vertraut bin – der Miniaturmalerei mit Natur-Motiven, die sich mir vor meinem Fenster und im Kiez aufdrängten, und der Collage, für die ich die unterschiedlichsten Quellen, die ich in Lichtenberg fand, kollidieren lies (alte Ausgaben des Spiegels, ein Filmlexikon, lokale Werbe- und Informationszeitungen etc.).

Diese Arbeiten zeigte ich in der Austausch-Ausstellung mit Ulrike Mohr bei DIEresidenz im französischen Die. Im Nachhinein betrachtet ist diese Ausstellung, sind diese neuen Serien in meinen Augen der „Trailer“ für ein Künstlerbuch, das ich gerne veröffentlichen würde. Die Arbeit geht weiter…

Juli, 2024

Marisa Polins

Marisa Polins künstlerisches Repertoire umfasst Stahlkonstruktionen, Stoffskulpturen und Vinyl-Zeichnungen, wobei sie das delikate Zusammenspiel gegensätzlicher Kräfte gekonnt beherrscht. Ihre Arbeiten erreichen ein harmonisches Gleichgewicht, das am Rande des Ausbruchs steht. Jedes Werk spielt mit Dichotomien: Volumen versus Oberfläche, Augenblick versus Ewigkeit, Stärke versus Zerbrechlichkeit.

Polins Kreationen überschreiten konventionelle Grenzen und verwandeln sich in Portale, die die Ungreifbarkeit der Natur zum Ausdruck bringen, indem sie das Fließen des Wassers und das zarte Flattern von Schmetterlingsflügeln verkörpern. Durch Dekonstruktion enthüllt sie die Essenz realer Objekte in abstrakten Formen. Polin verlässt die Grenzen des Ateliers und interveniert in Parks, Wäldern und Straßen, wo ihre Werke mit der Zeit auf natürliche Weise verblassen.

In einer lebendigen, geometrischen und minimalistischen Sprache erforscht ihre Kunst Themen wie Erinnerungen, Heimat, Grenzen, Gemeinschaft und Zeit. Diese Erkundung lädt den Betrachter dazu ein, eine emotionale Verbindung zu seiner Umgebung herzustellen. Polin stammt ursprünglich aus Mexiko-Stadt und lebt heute in London. Ihre internationalen Erfahrungen, die sie auf ihren Reisen gesammelt hat, sind die Grundlage für ihren politischen Aktivismus und ihre Auseinandersetzung mit der lateinamerikanischen Sprache.

Polin ist Absolvent des Royal College of Art. Ihre vielfältigen Visionen und de geschickter Einsatz von Mischtechniken zeigen sich in Ausstellungen an renommierten internationalen Orten, darunter die Biennale von Venedig, das Camden Arts Center, das Museo del Chopo Mexico, die Somers Gallery London, das Museo de Arte Contemporaneo von Oaxaca, Kata Odata Bali und die Universiteit van Antwerpen.

Juli, 2024